Lehrkonzepte

Autor: Dipl.Ing Dipl.Wirtschfts.Ing Claudia Stöhler 2018

Der Bildungsauftrag der Hochschulen, wie er vom Akkreditierungsrat 2013 festgelegt wurde, leitet alle Lehrenden für eine exzellente Ausbildung zukünftiger Fach- und Führungskräfte. Hochschulen sollen ihre Studierenden zu wissenschaftlicher oder künstlerischer Befähigung führen, sie befähigen eine qualifizierte Erwerbstätigkeit aufzunehmen, zum gesellschaftlichen Engagement anleiten und schließlich zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung beitragen.

aus Stöhler,Förster,Brehm, 2017 nach Reis und Ruschin, 2007

Studiengänge sollen zur Erfüllung dieses Bildungsauftrags einem roten Faden kompetenzorientierter Modularisierung folgen. In der Studiengangskonzeption ist daher eine zeitliche Reihenfolge der einzelnen Module vorzusehen, die mit einer Entwicklung des Kompetenzniveaus einhergeht (Reis und Ruschin, 2007, S.6-7).  So lassen sich Ausgangskompetenzen annehmen und Zielkompetenzen definieren. Es ist nun Aufgabe des Lehrenden, aufgrund dessen passende Lehrkonzepte zur Anhebung des Kompetenzniveaus auszuwählen und so auszugestalten, so dass diese Entwicklung begünstigt wird. Im Zusammenwirken von Hochschulrektorenkonferenz und Kultusministerkonferenz und in Abstimmung mit Bundesministerium für Bildung und Forschung wurde der Qualifikationsrahmen für deutsche Hochschulabschlüsse erarbeitet und von der Kultusministerkonferenz am 16.02.2017 beschlossen (Qualifikationsrahmen_KMK) Je nach Studienabschluss werden Kompetenzniveaus  für die vier Dimensionen definiert:

  • Wissen und Verstehen
  • Einsatz, Anwendung und Erzeugung von Wissen
  • Kommunikation und Kooperation
  • Wissenschaftliches Selbstverständnis / Professionalität

Um die Hochschulen bei der Weiterentwicklung der Studienprogramme und dem Ausbau der Studienqualität zu unterstützen, hat die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt „nexus – Übergänge gestalten, Studienerfolg verbessern“ gestartet (Laufzeit 2014-2018).

Nach Schaper und Hilkenmeier ergibt sich eine Verknüpfung von Inhalts- und Prozessdimensionen (2013). Die Lernziel-Taxonomie von Anderson und Krathwohl (2001, 2002) ist zweidimensional aufgebaut und besteht aus einer horizontalen Prozessdimension (die sechs kognitive Prozessstufen beschreibt und eine Weiterentwicklung des Modells nach Bloom ist) und einer vertikalen Wissensdimension (die sich auf vier Wissensarten bezieht). Dazu beschreibt der Ansatz ein Vorgehen in sechs Schritten, wie die verschiedenen Elemente einer Lehr-/Lernplanung systematisch konzipiert werden können und dabei das „Alignment“ der Elemente gewährleistet werden kann.

Die erste Inhaltskategorie, „Fachliches Wissen und Prozeduren“, deckt drei der vier Wissensdimensionen von Anderson und Krathwohl (2001) ab und bildet damit den inhaltlichen Kern der kognitiven Kompetenzfacette ab. Drei Subkategorien gehören zu diesem Kompetenzbereich:

  • Unter „Faktenwissen“ fällt (isoliertes) Detailwissen einer Fachdisziplin, aber auch die Beherrschung von Fachbegriffen.
  • Die mentale Repräsentation von Verknüpfungen entsprechender Wissenselemente bzw. Fakten, bspw. über deren Einordnung in Modelle oder Klassifikationssysteme, wird als „konzeptuelles Wissen“ bezeichnet.
  • Wissen über fachspezifische Verfahrensweisen und Ablaufstrukturen, bspw. wie die Modelle anzuwenden sind, gehört in den Bereich des „prozeduralen Wissens“.

Die zweite Inhaltskategorie bezieht sich auf Werte, Haltungen bzw. Beliefs als handlungsrelevante Kompetenzaspekte, die normative und einstellungsbezogene und damit auch motivational relevante Facetten professionellen Handelns repräsentieren. Die Reflexion der eigenen Überzeugungen und die bewusste Überprüfung der eigenen Bewertungssysteme ist eine wichtige Komponente des professionellen Kompetenzerwerbs. Im Kontext handlungs- und praxisbezogener Prüfungssituationen sind darüber hinaus kognitive Aspekte der Handlungssteuerung und handlungsleitende Beliefs oftmals eng miteinander verwoben und in Prüfungen schwer auseinanderzuhalten, dessen sollten sich Prüfende bei Ihrer Beurteilung bewusst sein.

Die Inhaltskategorie mit dem höchsten Allgemeinheitsgrad, hier als „Fachübergreifendes Wissen und Fähigkeiten“ bezeichnet, beinhaltet zum einen die Sub-Kategorie des Metakognitiven Wissens mit Bezug auf Anderson und Krathwohl (2001). Zum anderen bezieht diese Kategorie auch sozial-kommunikative Fähigkeiten mit ein:

  • „Metakognitives Wissen“ umfasst Wissen über kognitive Prozesse im Allgemeinen und über die Auseinandersetzung mit dem eigenen Wissen sowie den eigenen Denkprozessen im Speziellen. U.a. beinhaltet metakognitives Wissen auch Wissen über verschiedene Handlungsstrategien und die Angemessenheit ihrer Anwendung für verschiedene Aufgaben.
  • „Sozial-kommunikative Fähigkeiten“ schließlich beinhalten Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten zum erfolgreichen Realisieren von Zielen und Plänen in sozialen Interaktionssituationen.
Stöhler, PM-Kanon, „Die Neue Hochschule“ Ausgabe 6/2017

Hinsichtlich des Angebots von PM-Lehrveranstaltungen kann von einem Kanon gesprochen werden (Stöhler, Förster, Brehm, 2018), bei dem verschiedene Veranstaltungen aufeinander aufbauen oder miteinander verschränkt sind. So können theoretische und praktische Kenntnisse vermittelt und trainiert werden. In der ICB 4.0 sind die Kompetenzelemente im Projektmanagement definiert. Aufbauend auf diesen Überlegungen kann nun ein Zielkompetenzwürfel für zukünftige Projektmanager in ihrem jeweiligen Fachgebiet definiert werden (Stöhler, Förster, Brehm, 2017). Die drei Dimensionen sind hierbei die Vermittlung von Kompetenzen im jeweiligen Fachgebiet, PM-technische, persönliche und soziale Kompetenzen gemäß ICB 4.0.

Wie können Kompetenzen im Projektmanagement im akademischen Umfeld ganz konkret vermittelt werden? Hierzu sind in diesem Portal Informationen zusammen gestellt :


Quellen:

  • Akkreditierungsrat (2013): Regeln für die Akkreditierung von Studiengängen und für die Systemakkreditierung. Online verfügbar
    unter http://www.akkreditierungsrat.de/fileadmin/Seiteninhalte/AR/Beschluesse/AR_Regeln_Studiengaenge_aktuell.pdf
  • Anderson, L. & Krathwohl, D. (2001). A taxonomy for learning, teaching and assessing. New York: Longman
  • Krathwohl, D. R. (2002). A revision of bloom’s taxonomy: An overview. Theory into Practice, 41 (4), 212–218
  • Reis, O., Ruschin, S., (2007): Kompetenzorientiertes Prüfen als zentrales Element gelungener Modularisierung. Journal Hochschuldidaktik 18, 6–9.
  • Schaper, N. & Hilkenmeier, F. unter Mitwirkung von E. Bender (2013): „Umsetzungshilfen für kompetenzorientiertes Prüfen“
  • Stöhler, Förster, Brehm (2018): Projektmanagement lehren, Springer Gabler
  • Stöhler, Wie reagieren Hochschulen auf die Nachfrage von Absolventen mit PM Kompetenzen?, in Berufsverband der Professorinnen und Professoren an deutschen Fachhochschulen „Die neue Hochschule“, Ausgabe 6/2017, Seite 22-25